Ein wenig aus der Vergangenheit.
Mit meinen 24 Jahren versuche ich nun ja doch, alles zu reflektieren und mir fällt nach und nach einiges auf, was ich in den letzten Jahren, in meiner Kindheit, meiner Jugend und vorallem jetzt so erlebe, an Rassismus. Bevor ich mich überhaupt selbst mit diesem Thema beschäftigt habe, hab ich all das gar nicht mal so eng gesehen und überhaupt nicht wahrgenommen.
Mit 19 fing dann alles an, ich wurde durch meinen Ex politisiert & begann auch somit, mir meine Gedanken diesbezüglich zu machen.
Meine Kindheit habe ich bis zu meinem 9. Jahr in der Türkei verbracht.
Dezember 2003 kamen wir dann nach Deutschland, ich konnte kein Wort deutsch und wurde auch schon direkt nach 3 Tagen Aufenthalt in Deutschland eingeschult.
Der erste Schultag war der Horror für mich. Alle sahen so anders aus, haben anders gesprochen und überhaupt war alles anders und neu für mich.
Dennoch wurde ich relativ schnell in die Klasse intergriert bzw. ich selbst habe auch dazu einen riesen Beitrag geleistet, da ich damals schon sehr offen und kommunikativ war und
schon immer keine Schwierigkeiten damit hatte, auf Menschen zuzugehen.
Nach der Grundschule sollte meine weiterführende Schule zunächst die Hauptschule werden. Wieso? Frag ich mich heute noch. Ich wurde der deutschen Sprache innerhalb von einem halben Jahr mächtig, passte mich der Gemeinschaft der Klasse an, befolgte die Regeln und so schlecht war ich in den einzelnen Fächern auch nicht, vorallem Rechtschreibung. Das Einzige was wirklich nicht all zu befriedigend war, war Mathe. Da werden mir jetzt einige sicherlich zustimmen und mit dem Kopf nicken, niemand mag Mathe. Wenn doch, möge die Person sich bei mir melden, ich könnte nächstes Jahr Nachhilfe gebrauchen!
Wieso also wurde die Empfehlung auf eine Hauptschule gesprochen? Ich komme aus einem kleinen Dorf, im Ruhrgebiet. Die Hautpschule besuchen dort, wie eigentlich in fast allen Städten hier in Deutschland, überwiegend Schüler*innen mit Migrationshintergrund. Weshalb ist das so? Wir sind doch nicht alle dumm oder unqualifiziert. Ist es einfacher, alle einfach dorthin zu schicken? Weil von uns nicht mehr erwartet wird? Erfüllen wir keine Voraussetzungen für eine bessere weiterführende Schule? Ich kenne so viele Menschen mit einem Migrationshintergrund, die an einer Hauptschule total Fehl am Platz waren. Die haben's bis auf's Gymnasium geschafft, wo sie auch wirklich berechtigterweise hingehört haben. Nun ja, fängt dort schon Rassismus an? Ein Schelm, wer was böses denkt.
Meine Eltern haben mich trotzdem auf eine Realschule geschickt und dort war ich bestens aufgehoben, auch wenn meine Schullaufbahn nicht so gut war zum Ende hingegen, an meiner Intelligenz hat es niemals gelegen, sondern eher daran, dass ich alles andere als die Schule schon immer interessanter fand und nie Lust darauf hatte.
Nach meinem Abschluss im Jahre 2012 wurde es dann richtig ernst. Ich musste mich entscheiden, was eigentlich aus mir werden soll.
Zunächst habe ich mich auf diverse Anzeigen im Internet für eine Ausbildung beworben. Ich habe die Voraussetzungen bei den Noten immer erfüllt und meine Anschreiben waren auch wirklich gut und individuell angepasst. Ich habe ungefähr 100 Bewerbungen geschrieben und davon keine einzige Einladung zu einem Gespräch erhalten. Lag es an meinem türkischen Namen, an meinem türkischen Pass? Wieso? Denken die Menschen, ich bin faul oder arbeite nicht korrekt, weil ich keine deutsche bin? Wieso haben es die deutschen Mitbewerber*innen einfacher gehabt?
Einige könnten jetzt denken, ich suche das Haar in der Suppe und will es immer alles auf die Rassismusschiene legen (wurde mir tatsächlich schon mal gesagt, but who cares?) Aber das ist einfach die scheiß Realität, Leute.
Haste 'nen deutschen Namen, biste hier in diesem Land einfach besser dran. Haste 'nen deutschen Pass aber trotzdem einen nichtdeutschen Namen, wirste auch nicht ganz für voll genommen. Was soll der ganze Scheiß? Ich habe mir den Arsch aufgerissen, um eine Ausbildungsstelle zu bekommen und habe nur Absagen erteilt bekommen. Meine deutschen Mitbewerber*innen hingegen haben damit geprahlt, dass sie sich vor Einladungen kaum retten können. Scheiße, so hatte ich mir das Ganze nicht vorgestellt & meine Motivation war dann natürlich auch gleich bei 0.
Es ist nun mal schwieriger hier als 'Ausländerin'. Nicht nur beruflich gesehen, sondern auch privat.
Ich habe mich schon sehr früh für Jungs interessiert und dementsprechend auch einige Dates gehabt.
Ich mache euch jetzt eine Auflistung an Fragen und Aussagen, die ich immer hören durfte und manchmal leider noch darf.
'Hast du Brüder?' - Ja klar, Klischee Nr. 1. Brüder, die das Sagen haben und dich schlagen werden, wenn du mir einen Haar krümmst. Bei Manchen von euch wünschte ich das sogar, scheiß Macker.
'Woher kommst du WIRKLICH?' - Alter, woher wohl? Aus meiner Anne. Sie hat mich auf die Welt gebracht. Oder meinst du, in welcher Stadt ich wohne?! Was soll diese Frage? Ein Icebreaker ist es definitiv nicht.
'Oh,du bist Türkin? Hatte ich auch noch nie, hat was reizvolles, ist irgendwie exotisch..' WAS ZUR HÖLLE EIGENTLICH!? Das war das widerlichste und anmaßendste, was mir jemals gesagt wurde. Reizvoll? Wieso?! Exotisch?! WTF?!!?!?!
' Wie, du bist Türkin und hast Tattoos, trinkst und hast Sex?! Da müssen deine Eltern aber locker sein, wa?! - Wieso auch nicht? Das eine schließt doch das andere nicht aus! Ich weiß nicht, wie manche Menschen und Türkinnen vorstellen, wie wir drauf sind. JA, wir sind auch tättowiert, JA, wir haben Sex und JA, wir trinken auch Alkohol! Wo leben solche Menschen eigentlich? Die schauen auch nur bis zum Tellerrand und niemals darüber, hab ich das Gefühl.
Ich könnte diese Liste noch viel mehr ausführen, es ist einfach nervenaufreibend und schrecklich, ständig mit diesen rassistischen Vorurteilen konfrontiert zu werden. Irgendwann hat man auch keine Lust mehr, dagegen anzukommen, weil's bei den meisten leider nichts bringt.
Wer jetzt denkt, ist doch nicht so schlimm, wenn Leute dich fragen, woher du WIRKLICH kommst, der muss ziemlich priviligiert sein. Das ist kein Interesse, das ist, damit die Leute eine Schublade haben, in die sie dich hineinwerfen können.
Ganz nach dem Motto' Ah aus der Türkei, dann ist sie bestimmt konservativ, darf nichts, hat viele Brüder, und und und ..'
Es nervt.
Mit 19 fing dann alles an, ich wurde durch meinen Ex politisiert & begann auch somit, mir meine Gedanken diesbezüglich zu machen.
Meine Kindheit habe ich bis zu meinem 9. Jahr in der Türkei verbracht.
Dezember 2003 kamen wir dann nach Deutschland, ich konnte kein Wort deutsch und wurde auch schon direkt nach 3 Tagen Aufenthalt in Deutschland eingeschult.
Der erste Schultag war der Horror für mich. Alle sahen so anders aus, haben anders gesprochen und überhaupt war alles anders und neu für mich.
Dennoch wurde ich relativ schnell in die Klasse intergriert bzw. ich selbst habe auch dazu einen riesen Beitrag geleistet, da ich damals schon sehr offen und kommunikativ war und
schon immer keine Schwierigkeiten damit hatte, auf Menschen zuzugehen.
Nach der Grundschule sollte meine weiterführende Schule zunächst die Hauptschule werden. Wieso? Frag ich mich heute noch. Ich wurde der deutschen Sprache innerhalb von einem halben Jahr mächtig, passte mich der Gemeinschaft der Klasse an, befolgte die Regeln und so schlecht war ich in den einzelnen Fächern auch nicht, vorallem Rechtschreibung. Das Einzige was wirklich nicht all zu befriedigend war, war Mathe. Da werden mir jetzt einige sicherlich zustimmen und mit dem Kopf nicken, niemand mag Mathe. Wenn doch, möge die Person sich bei mir melden, ich könnte nächstes Jahr Nachhilfe gebrauchen!
Wieso also wurde die Empfehlung auf eine Hauptschule gesprochen? Ich komme aus einem kleinen Dorf, im Ruhrgebiet. Die Hautpschule besuchen dort, wie eigentlich in fast allen Städten hier in Deutschland, überwiegend Schüler*innen mit Migrationshintergrund. Weshalb ist das so? Wir sind doch nicht alle dumm oder unqualifiziert. Ist es einfacher, alle einfach dorthin zu schicken? Weil von uns nicht mehr erwartet wird? Erfüllen wir keine Voraussetzungen für eine bessere weiterführende Schule? Ich kenne so viele Menschen mit einem Migrationshintergrund, die an einer Hauptschule total Fehl am Platz waren. Die haben's bis auf's Gymnasium geschafft, wo sie auch wirklich berechtigterweise hingehört haben. Nun ja, fängt dort schon Rassismus an? Ein Schelm, wer was böses denkt.
Meine Eltern haben mich trotzdem auf eine Realschule geschickt und dort war ich bestens aufgehoben, auch wenn meine Schullaufbahn nicht so gut war zum Ende hingegen, an meiner Intelligenz hat es niemals gelegen, sondern eher daran, dass ich alles andere als die Schule schon immer interessanter fand und nie Lust darauf hatte.
Nach meinem Abschluss im Jahre 2012 wurde es dann richtig ernst. Ich musste mich entscheiden, was eigentlich aus mir werden soll.
Zunächst habe ich mich auf diverse Anzeigen im Internet für eine Ausbildung beworben. Ich habe die Voraussetzungen bei den Noten immer erfüllt und meine Anschreiben waren auch wirklich gut und individuell angepasst. Ich habe ungefähr 100 Bewerbungen geschrieben und davon keine einzige Einladung zu einem Gespräch erhalten. Lag es an meinem türkischen Namen, an meinem türkischen Pass? Wieso? Denken die Menschen, ich bin faul oder arbeite nicht korrekt, weil ich keine deutsche bin? Wieso haben es die deutschen Mitbewerber*innen einfacher gehabt?
Einige könnten jetzt denken, ich suche das Haar in der Suppe und will es immer alles auf die Rassismusschiene legen (wurde mir tatsächlich schon mal gesagt, but who cares?) Aber das ist einfach die scheiß Realität, Leute.
Haste 'nen deutschen Namen, biste hier in diesem Land einfach besser dran. Haste 'nen deutschen Pass aber trotzdem einen nichtdeutschen Namen, wirste auch nicht ganz für voll genommen. Was soll der ganze Scheiß? Ich habe mir den Arsch aufgerissen, um eine Ausbildungsstelle zu bekommen und habe nur Absagen erteilt bekommen. Meine deutschen Mitbewerber*innen hingegen haben damit geprahlt, dass sie sich vor Einladungen kaum retten können. Scheiße, so hatte ich mir das Ganze nicht vorgestellt & meine Motivation war dann natürlich auch gleich bei 0.
Es ist nun mal schwieriger hier als 'Ausländerin'. Nicht nur beruflich gesehen, sondern auch privat.
Ich habe mich schon sehr früh für Jungs interessiert und dementsprechend auch einige Dates gehabt.
Ich mache euch jetzt eine Auflistung an Fragen und Aussagen, die ich immer hören durfte und manchmal leider noch darf.
'Hast du Brüder?' - Ja klar, Klischee Nr. 1. Brüder, die das Sagen haben und dich schlagen werden, wenn du mir einen Haar krümmst. Bei Manchen von euch wünschte ich das sogar, scheiß Macker.
'Woher kommst du WIRKLICH?' - Alter, woher wohl? Aus meiner Anne. Sie hat mich auf die Welt gebracht. Oder meinst du, in welcher Stadt ich wohne?! Was soll diese Frage? Ein Icebreaker ist es definitiv nicht.
'Oh,du bist Türkin? Hatte ich auch noch nie, hat was reizvolles, ist irgendwie exotisch..' WAS ZUR HÖLLE EIGENTLICH!? Das war das widerlichste und anmaßendste, was mir jemals gesagt wurde. Reizvoll? Wieso?! Exotisch?! WTF?!!?!?!
' Wie, du bist Türkin und hast Tattoos, trinkst und hast Sex?! Da müssen deine Eltern aber locker sein, wa?! - Wieso auch nicht? Das eine schließt doch das andere nicht aus! Ich weiß nicht, wie manche Menschen und Türkinnen vorstellen, wie wir drauf sind. JA, wir sind auch tättowiert, JA, wir haben Sex und JA, wir trinken auch Alkohol! Wo leben solche Menschen eigentlich? Die schauen auch nur bis zum Tellerrand und niemals darüber, hab ich das Gefühl.
Ich könnte diese Liste noch viel mehr ausführen, es ist einfach nervenaufreibend und schrecklich, ständig mit diesen rassistischen Vorurteilen konfrontiert zu werden. Irgendwann hat man auch keine Lust mehr, dagegen anzukommen, weil's bei den meisten leider nichts bringt.
Wer jetzt denkt, ist doch nicht so schlimm, wenn Leute dich fragen, woher du WIRKLICH kommst, der muss ziemlich priviligiert sein. Das ist kein Interesse, das ist, damit die Leute eine Schublade haben, in die sie dich hineinwerfen können.
Ganz nach dem Motto' Ah aus der Türkei, dann ist sie bestimmt konservativ, darf nichts, hat viele Brüder, und und und ..'
Es nervt.
Wow . Genau alles was ich erlebt habe und jedem Tag erlebe. Und für uns ist es schon selbstverständlich. Sorry aber , 2018 Deutschland hat definitiv immer noch ein Rassismus problem !!
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